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Über das Schüttelreimen
Was ist überhaupt ein Schüttelreim?
Gelehrt ausgedrückt, handelt es sich um einen Doppelreim mit Vertauschung der konsonantischen Anlaute. Machen wir uns an zwei Beispielen die Einzelheiten klar.

BEISPIEL 1
                       Zum Leuchtturm schwammen sieben Schwimmer - und
                       nur sechs zurück. Es gibt halt immer Schwund!

(QUELLE: Abschnitt "Urlaubserfahrung" – s. 3. Folgeseite nach der Startseite!)

In diesem Beispiel besteht der Doppelreim aus den zwei folgenden Reimen:

                       Schwimmer – immer
                       und – Schwund

Welche konsonantischen Anlaute sind hier im Spiel?  Zunächst der Laut "SCHW" – mit diesem fangen die Worte "Schwimmer" und "Schwund" an. Hingegen beginnen die Worte "immer" bzw. "und"  mit einem Vokal, daher ist ihr konsonantischer Anlaut der "leere" oder "stumme" Anlaut (je nachdem, wie wir ihn nennen wollen). Der Laut "SCHW" und der "stumme" Anlaut tauschen in den beiden Reimen ihre Positionen – damit haben wir einen Schüttelreim.

BEISPIEL 2
                       Mein Weib ist aus auf Zank – so tickt sie.
                       Wenn ich 10 Bierchen tank, so zickt sie.

(Aus dem Abschnitt "Lebensthema Nr. 2" – s. Folgeseite nach der Startseite!)

Bestimmen wir zunächst die beiden Reimpaare. Dabei müssen wir nicht nur die betonten Silben, sondern auch die unbetonten Silben "so" und "sie" berücksichtigen. Wir identifizieren folgenden Doppelreim:  Auf "Zank so" reimt sich "tank so";  auf "tickt sie" reimt sich "zickt sie". Der zweite Reim weist die gleichen konsonantischen Anlaute auf wie der erste Reim (nämlich "Z" und "T") – jedoch in umgekehrter Reihenfolge.

Bemerkung:  Die voranstehende Erläuterung wurde bewusst akribisch gefasst, um zur Klarheit über die Struktur von Schüttelreimen beizutragen. Hintergrund ist, dass sich unter der Bezeichnung "Schüttelreim" im Internet manches findet, das der Definition von Schüttelreimen keineswegs entspricht.
 
 
Zum Anliegen des Autors
Schreibt man "schüttelgereimte" Verse, so sollte man nach meiner Auffassung die folgenden Anforderungen beachten:
  1. Alle Reime sind nach obigen Regeln lautlich sauber zu bilden. Dabei sollen die geschüttelten Doppelreime möglichst zwanglos daherkommen, so als gingen sie aus dem Fluss der Formulierungen wie von selbst hervor.
     
  2. Grammatik und Ausdrucksweise, Satzbau und Versmaß dürfen nicht "zurechtgebogen" werden.
    ("Wenn es nicht richtig passt, kann man es so nicht schreiben.")
     
  3. Gefragt sind keine bloß dahingereimten Sprüche, sondern Gedichtminiaturen mit Pointen.
     
  4. Eine Pointe setzt einen logischen Aufbau voraus. Trotz seiner Kürze muss auch ein Zweizeiler einen schlüssigen Gedankengang zum Inhalt haben oder nachvollziehbar eine sinnhafte Geschichte erzählen. *)
Die Abfassung von Schüttelversen, die diese Kriterien überzeugend erfüllen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe, deren Schwierigkeit nicht immer bewältigt wird. Im Internet oder in Büchern finden sich etliche Schüttelreime, deren Form oder Inhalt nicht zufriedenstellen kann.

(So wie dieser Zweizeiler, der unter Verletzung meines Reimgefühls gern von meinem Vater rezitiert wurde:

                       Im Wald hört man die Kinder heulen,
                       da gibt’s was auf die Hinterkeulen.

Oder wie die folgende Textschöpfung, die auf der Schüttelreim-Seite von Wikiquote (Stand 20.02.13) die Interpreten herausfordert:

                       Wer morgens in dem Lädchen maust,
                       am Abend froh sein Mädchen laust.)

Sicher hat sich die Verbreitung solcher weniger geglückten Verse auf das Renommee des Schüttelreims schädlich ausgewirkt. Es nimmt gar nicht wunder, dass manche Zeitgenossen die Kunst des Schüttelreimens als eine niederrangige, sogar etwas kindische Reimhuberei einordnen.

Was mir ebenso bedauerlich wie verfehlt erscheint! Denn im Hinblick auf ihr Raffinement kommt der Klangfigur des Schüttelreims ein hohes sprachästhetisches Potenzial zu. Und dieses lässt sich überzeugend umsetzen, wenn Qualitätskriterien wie 1.-4. Beachtung finden.

So haben denn auch Autoren wie Franz Mittler eine Reihe von schüttelgereimten Gedichtminiaturen geschaffen, die sich durch Perfektion und Brillanz auszeichnen. Solche Vorbilder haben mich zur Arbeit an meinen Zweizeilern inspiriert. Im Rahmen meiner Möglichkeiten würde ich mit meiner Web-Publikation gerne dazu beitragen, die stilistischen Reize des Schüttelreims für alle interessierten Leser erfahrbar zu machen.


    *)  Dabei sollte es dem Leser möglich sein, den Inhalt direkt aus den Verszeilen zu erschließen – ohne Rückgriff auf eine evtl. beigefügte Überschrift. (Genauere Erläuterung: Was wesentlich fürs Sinnverständnis ist, soll nicht in eine erklärende Titelzeile "ausgelagert" werden, sondern in der eigentlichen Verssequenz seinen Platz finden.)